Rezension: Die Kryptografin – Für Träume braucht man Mut
Mein Lesejahr 2026 startete mit „Die Kryptografin: Für Träume braucht man Mut“ von Hanna Aden.
München in den frühen 1950er Jahren: Die junge Margot ist stolz, als eine der wenigen Frauen einen Studienplatz für Mathematik an der LMU bekommen zu haben. Bei einer Vorlesung fällt sie durch außergewöhnlich kluge Fragen auf und erregt damit die Aufmerksamkeit eines Gasthörers, der für die Operation Gehlen, den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes, arbeitet. Aufgrund ihrer Begabung bietet er Margot eine Stelle in der Decodierungsabteilung an. […] Ihre Freundin Sue bestärkt sie darin, ihren Weg zu gehen. Sie träumt von einem besseren Leben und davon, eines Tages als Journalistin für die Rechte der Frau zu kämpfen.
Gemeinsam besuchen die beiden jungen Frauen Diskussionsabende im Amerika-Haus, wo Margot auf den einfühlsamen und politisch aktiven Willi trifft. Doch ihre Möglichkeiten beim Geheimdienst machen es Margot nicht leicht, Privates und Berufliches zu trennen …
Wer mich kennt weiß, dass ich eine Schwäche für Zahlen habe, daher hatte ich mich auch sehr auf das Buch gefreut. Man muss aber meiner Meinung nach wissen, dass der Fokus der Geschichte eher auf die Entwicklung von Margot als Person als auf Mathematik oder Kryptografie gelegt wurde. Obwohl natürlich schon der ein oder andere Begriff genannt wird, hätte ich gerne noch etwas mehr über Kryptografie erfahren.
Was ich leider auch etwas schade fand war, dass der Klappentext meiner Meinung nach viel zu viel von der Geschichte vorwegnimmt. Daher habe ich mir hier die Freiheit genommen, wenn Klappentext nicht vollständig einzufügen.
Der Schreibstil war sehr flüssig, sodass sich das Buch sehr gut lesen lies. Im Vorwort wird man darauf hinwiesen, dass Margot neurodivergent ist. Ihre Wahrnehmung sei etwas anders , sodass diese Sichtweise möglicherweise zunächst ungewohnt sein könne. Ungewohnt war es, ja, aber ich finde, dass dies überhaupt keinen Effekt auf den Schreibstil hatte. Man hat sich wirklich ganz schnell daran gewöhnt und ehrlich gesagt, fand ich es sogar sehr spannend, die beschriebene Welt in dieser Form einmal wahrzunehmen.
Die Geschichte ist eher langsam und ruhig erzählt. Es war nicht rasant, aber trotzdem war für mich eine gewisse Spannung vorhanden, weil ich einfach wissen wollte, ob Margot zum Geheimdienst geht, wie es da wohl so zu geht und so weiter. Ansonsten war es an sich nicht so spannend, wobei mich das in dieser Geschichte überhaupt nicht gestört hat. Ich habe es sehr genossen ganz unaufgeregt über ein Stück des Werdegangs von Margot zu lesen.
Die Charaktere sind mir überwiegend schnell ans Herz gewachsen, allen voran Margot und Sue natürlich. Die beiden haben einfach schöne Träume gehabt und haben versucht, ihren Weg in den 50ern zu finden und zu gehen. Die Freundschaft der beiden war einfach toll beschrieben und wichtig für beide Entwicklungen.
Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass ich die Entwicklung von Margot etwas überstürzt bzw. für den Zeitraum zu groß fand. Aus meiner Sicht war das etwas unrealistisch. Wen ich überhaupt nicht mochte war Jasper, was aber sicherlich auch so gewollt war. Meine Güte war der übergriffig. Ganz anders dafür war Willi, der mit seiner Art wirklich super süß war.
Das Ende hat mich zufrieden zurückgelassen. Ich habe erst im Nachgang gelesen, dass es der erste Teil einer Reihe sein soll, man könnte das Ende meiner Meinung nach aber auch so stehen lassen. Also keine Angst vor großen Cliffhanger.
Fazit:
Die Kryptografin ist eine ruhig erzählte Geschichte, die von ihren Charakteren lebt. Trotz kleinerer Kritikpunkte habe ich Margots Geschichte aber sehr gerne gelesen. Ich freue mich schon auf den zweiten Band.
