Rezension: Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

Mein Lesejahr 2025 endete mit einem ganz besonderem Buch: Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 von Susanne Abel.

Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird mitten in Deutschland ein kleiner Junge gefunden, der nichts über sich selbst und seine Herkunft weiß. Sein Alter wird geschätzt, er bekommt den Namen Hartmut und wächst in einem katholischen Kinderheim auf, in dem viel Ordnung und noch mehr Zucht herrscht. Dort lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn schon im Heim zu beschützen versucht. Die beiden werden zu einer unverzichtbaren Stütze füreinander und beschließen, sich nie wieder loszulassen. Doch während sie mit aller Kraft versuchen, gemeinsam das Geschehene zu vergessen und ein normales Leben zu führen, werden die Folgen ihrer Vergangenheit auch für die nachkommenden Generationen bestimmend …

Bei einem Besuch in der Buchhandlung bin ich auf das Buch aufmerksam geworden… Das Cover ließ mich irgendwie nicht mehr los, sodass ich mir den Klappentext durchlas. Da ich in diesem Moment nicht bereit war, wieder eine Geschichte zum bzw. in diesem Fall nach dem 2. Weltkrieg zu lesen, zog die Geschichte erst später als Hörbuch ein. Seid euch bitte bewusst, dass das Buch  thematisch wirklich alles andere als leicht ist und man da wirklich bereit für sein muss.

Inhaltlich wechseln wir immer wieder zwischen der Vergangenheit, die das Aufwachsen von Margret und Hartmut beleuchtet, und der Gegenwart, die sich mit Margrets und Hartmuts Leben heute mit ihrer Familie bis zur Urenkelin Emily beschäftigt. Ich hatte zunächst Schwierigkeiten mit der Gegenwart, weil ich vor allem Sabine und Jana zunächst unsympatisch fand.

Der Schreibstil ist sehr einfach, aber lässt sich dadurch auch locker lesen bzw. in meinem Fall hören. Es waren vielmehr die Thematiken, die es teilweise schwierig machten, weiterzulesen bzw. zu hören. Dies führte dazu, dass ich doch immer mal wieder die ein oder andere Extra-Pause einlegen musste, weil mich die Geschehnisse einfach emotional zu sehr mitgenommen haben.

Die in der Vergangenheit erzählten schrecklichen Erlebnisse haben auch eine unangenehme Spannung hervorgerufen: Ich hatte immer wieder ein ungutes Bauchgefühl, weil ich fürchtete, dass wieder etwas schlimmes passieren würde.

Die Charaktere haben bei mir sehr unterschiedliche Gefühle hervorgerufen. Während mir Hartmut und Emily schnell ans Herz wuchsen, hatte ich zunächst meine Schwierigkeiten mit Sabine und Jana. Wobei man nach der Geschichte Spekulationen anstellen kann, warum sie so sind, wie sie sind. Ganz besonders ans Herz gewachsen ist mir allerdings Margret. Auch sie hat so viel Schlimmes durchgemacht und doch für alle gekämpft und die Familie zusammen gehalten…

Nachdem ich kurz vor dem Ende noch eimal emotional so richtig gefordert wurde und ich einfach nur noch weinen musste, hat mich das Ende insgesamt zufrieden zurückgelassen.

Fazit:
Das Buch ist wirklich harter Tobak und dadurch für mich auch manchmal schwer zu hören. Allerdings hat es mich erstens mal wieder auf einen mir bislang unbekannten Teil unserer Geschichte aufmerksam gemacht und ich konnte wieder etwas dazu lernen. (Ich habe im Anschluss noch etwas recherchiert zu dem Thema.)

Zweitens hat mich die Geschichte einfach emotional sehr mitgenommen. Es kommt nicht oft vor, dass mir beim Hören einer Geschichte die Tränen kommen.
Und so schwer die Thematik war, meiner Meinung nach ist es wichtig, solche Themen anzusprechen und darauf Aufmerksam zu machen, damit solche Dinge nie, nie wieder passieren!

Definitiv ein Jahreshighlight und eine absolute Empfehlung von mir.

 

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